Gerhard A. Pfeffer regt sich - zu Recht, wie ich finde - im PR-Journal über einige Empfehlungen in dem Beitrag "Ende der Heimlichkeit" in der Märzausgabe des Mittelstandsmagazins "impulse" auf. Darin geht es um das Thema "Öffentlichkeitsarbeit im Mittelstand" (was ja an sich sehr lobenswert ist). Doch in dem Artikel der freien Autorin Ann-Christin Wimber wird in einem Kasten zum Thema Agenturauswahl u.a. empfohlen "... Unternehmenskollegen nach ihren Erfahrungen fragen, Referenzkunden verlangen, dann drei bis vier Agenturen zur (kostenlosen) Präsentation bitten..."
Für Gerhard A. Pfeffer ist das "eine Aufforderung zum geistigen Diebstahl" und er schreibt etwas polemisch: "Demnächst könnten dann andere freie Berufe, wie z.B. Ärzte zur Probeoperationen und Rechtsanwälte zum Testplädoyer vor Gericht eingeladen werden."
Eine Vorstellung der Agentur mit ihren Leistungsmöglichkeiten, Referenzen und Basisinformationen - so Pfeffer - sei natürlich kostenlos. Eine Präsentation (dazu noch im Wettbewerb) mit (PR-)Lösungsvorschlägen müsse aber auf jeden Fall bezahlt werden, denn dahinter stecken die Ausarbeitungen zu Problemstellungen - und damit Zeitaufwand, Manpower und kreative, geistige (und damit urheberrechtlich schützenswerte) Leistungen. "Dies kostenlos zu verlangen, ist unethisch und unprofessionell", unterstreicht der PR-Experte.
Da fehlt dann nur noch, dass die kostenlos vorgelegten Lösungen auch noch nach Belieben umgesetzt werden können - und sei es von der Chefsekretärin. "Denn Pressearbeit ist ja im Vergleich zur klassischen Werbung relativ günstig", wie an anderer Stelle des Artikels die Professorin für Medien der Mittelstands-FH Bielefeld, Anne Dreier, zitiert wird. "PR als billiger Jakob oder gar Werbeersatz? Reichlich undifferenziert und wissenschaftlich untere Schublade - aber vielleicht nur verkürzt wiedergegeben?", fragt Gerhard A. Pfeffer.
Mit seiner Kritik hat er auf jeden Fall recht. Eine solche Empfehlung in einem Magazin, das von vielen Entscheidern im Mittelstand gelesen wird, schürt nur falsche Erwartungen. Und weil es genug Agenturen gibt, die um jeden Preis neue Kunden gewinnen wollen, fallen sie vermutlich sogar noch auf fruchtbaren Boden.
Langfristig schießen Unternehmen, die auf kostenlosen Pitch-Präsentationen bestehen, allerdings ein Eigentor. Denn irgend jemand muß den Aufwand für die "kostenlose" Arbeit ja bezahlen. Im Zweifelsfall sind das die bestehenden Kunden einer Agentur. Die sollten sich dann auch nicht wundern, wenn die Leistung ihres auf diese Art engagierten Dienstleisters mit der Zeit immer schlechter wird. Denn irgendwoher müssen die Stunden ja kommen, die von den Mitarbeitern für die Vorbereitung der nächsten kostenlosen Präsentationen benötigt werden.